Vita

Ich bin 1953 in Traunstein geboren, seit 1972 in München und bis 2016 war ich im öffentlichen Dienst. 

Das Weben hat 1975 begonnen. Eine Freundin aus der Bretagne wollte es mir lernen und ihren Webstuhl nach München bringen. Soweit ist es aber nie gekommen und ich fing alleine an, irgendwie mit Büchern und Bildern.

Damals habe ich auch mit selbst gefärbter Wolle experimentiert, spinnen gelernt und wie man fettige Schafwolle im Brunnen wäscht. Das war in den Bergen von Grenoble in der Zeit der ersten Ökowelle. Aussteiger und Selbstversorger waren ganz was Neues. Handwebern zog keiner den Stecker raus. Das hat mir gefallen. Seitdem sind eine Menge weiterer Gründe dazugekommen.

Meine Mutter machte mich 1980 aufmerksam, daß ich einen Großonkel habe, der Weber sei. Er war damals 84 Jahre alt und machte immer noch schöne Fleckerlteppiche. Ich habe ihn und seine Familie dann öfter besucht und zugeschaut. Er arbeitete auf einem uralten Webstuhl und ich hatte Fragen ohne Ende. Als er zwei Jahre später gestorben ist bekam ich das Museumsstück mit allem Zubehör vermacht.

1982 lernte ich eine Töpferin kennen, die mir bei der ersten Begegnung einen Webstuhl schenkte, weil sie selber nicht dazu kam. Der Webstuhl war alt, aber nicht so alt wie der von meinem Großonkel. Die Freundschaft zwischen der Töpferin und mir ist inzwischen auch alt und ich arbeite immer noch an ihrem Webstuhl. 2019 schließt sich ein Kreis – der Webstuhl landet wieder in Ihrer Werkstatt.

Damals habe ich mich  bei allen möglichen Handwebereien gemeldet und mitgearbeitet. Mit zwei Webstühlen hatte ich jede Menge zu lernen. In München gab es internationale Teppichhändler und Galerien. Die gaben mir Tipps wo es Arbeit gab. Ich begann Teppiche zu reparieren. 1984 und 1986 war ich in der Türkei, und wollte etwas über Teppichknüpfen erfahren. Von den fünf Wochen, die ich einmal unterwegs war, gelang es mir, zwei Wochen mit türkischen Frauen am Knüpfstuhl zu sitzen. Die hatten natürlich ihre liebe Not mit mir und ihren Spaß. Wir konnten ja nicht miteinander sprechen.  Zwei Wochen sind nicht viel, aber ich bin heute noch froh über diese Erfahrungen. Mich interessierten nicht nur die Teppiche, sondern vor allem die Frauen und ihr Alltag. Textilien sind ein wunderbares Thema für Reisen.

Weben ist ein einsames Geschäft, immer allein und ‚unter Verschluß‘ in einem Zimmer. 1992 lernte ich in Schwabing Anemone Schneck kennen – ein alte Schwabingerin. Sie gab Kurse in freiem Sticken. Ich wußte gar nicht, daß es so etwas gab. Bei ihr trafen sich viele Frauen und es war immer was los. Ich lernte von ihr vieles über Entwürfe, über Farben und alle möglichen Stiche und Stick-Techniken, die auch dem Weben zugute kamen. 1992 begann ich mit einer fast vier Meter großen Stickerei, die 1996 fertig wurde. Mit dem, was ich bisher gewebt und gestickt hatte, traute ich mich 1996 eine erste Ausstellung zu machen, in der Mohrvilla, dem Bürgerhaus in Freimann.

Als nächstes mußte ich mehr über Entwürfe erfahren. Das hieß schlicht und einfach Malen lernen. Dafür bin ich ab 1999 mit der Malgruppe von Irene Bauer-Conrad nach Umbrien gefahren und habe bis 2004 an ihren Kursen in München teilgenommen. Aus den gleichen Gründen nahm ich ab 2008 Mal- und Zeichenunterricht bei Alexandra von Waldau. Ich bin mit ihr 2009 in die Berge von Verona zu einem Malkurs von Cesare Marcotto gefahren. 2013 hatte ich Gelegenheit im Cafe Wohlstadt in Ohlstadt bei Murnau diese Bilder auszustellen.

Langsam entfaltete sich das Westend für mich als handwerkliche und künstlerische Fundgrube. Seit 2010 brachte mir Riki Mazanek-Dreßl in ihrer Werkstatt Schnitzen bei. Ich arbeitet mit Ästen und lernte bei ihr wie Wildholzstühle gemacht werden. Meine gewebten Filze sind die idealen Polsterstoffe dafür. In der Schnitzschule von Gerhard Semmler im Gewerbehof des Westends habe ich weitergemacht. Dort bin ich eines Tages in das Atelier von Christopher Croft hineingeschneit. So wollte ich malen können. Seitdem unterstützt er meine zahlreichen malerischen Projekte. Vor allem brachte er mir in kürzester Zeit das Aquarell-Malen bei, was ich dringend brauchte, damit ich mein Krautwickel-Projekt verwirklichen konnte. Über die Jahre habe ich im Gewerbehof auch immer wieder in der Handweberei von Sylvia Wiechmann gewebt und gelernt. Alles von meiner Wohnung am Kiliansplatz um die Ecke – welch ein Luxus.

Nebenbei entwickelte ich mit Monika Potocki Miniwebstühle. Monika baut sie aus Edelhölzern und hat so lange an der Mechanik gefeilt, daß man auch auf den kleinen Webstühlen anspruchsvolle Teile weben kann. Die Idee wuchs irgendwie auf den Handwerksmärkten, auf denen ich mich von 2005 bis 2011 herumtrieb. Besonders die Naturfeste in Taufkirchen/Vils hatten es mir angetan. Ich hatte dort nicht nur meinen Verkaufsstand, sondern gab Kindern kurze Einführungen in Weben, Flechten und Binden. 

Von 2010 bis 2018 war ich jedes Jahr mit meinen Webereien im Sardenhaus im Westpark vertreten, zunehmend auch mit Filzteppichen und textilen Objekten. Im Frühjahr 2015 war ich das erste mal bei Open Westend dabei.

Ich webe nun seit über 40 Jahren. In mir ist eine große Dankbarkeit für alle, die mich handwerklich begleitet und künstlerisch  auf vielfältige Weise und auf ihre Art unterstützt haben. Als erste fällt mir Barbara Hammann ein, eine Videokünstlerin der ersten Stunde, die über Jahrzehnte immer wieder künstlerische `Akupunkturnadeln´ gesetzt hat, deren Nachhaltigkeit ich erst im Laufe der Zeit erkannt habe. Wie gesagt, da waren noch viele andere. Die Freude über so viel freigebiges Wissen und Können, über Freundschaft, Verständnis und Wohlwollen fließt immer neu in jede meiner Arbeiten.

Jetzt bin ich Freifrau, ich bin in Rente. Ich stehe also am Anfang der nächsten vierzig farbenfrohen Kreativ-Jahre. Besucher sind herzlich willkommen – auch ohne Web- und Stickkurse.

Der Münchner Merkur hat auch noch einiges über mich zu sagen … Weberfrau_Münchner_Merkur

Das war vor zwei Jahren. Die meiste Zeit des Jahres bin ich in Erzsèbetpuszta und arbeite an meinen eigenen Webstühlen. Die Webkurse bringen genug Abwechslung. Außerdem genieße ich das wunderbare Thermalbad in der Nähe, wo ich mich hege und pflege. Besucher sind herzlich willkommen.